Echte Vanille selbst anbauen – Pflege, Vermehrung und Ernte

VanilleorchideeEchte Vanille selbst anbauen, geht das überhaupt? Die echte Vanille gehört zu den teuersten Gewürzen der Welt, welches aus den Kapselfrüchten (Vanilleschoten) der Vanilleorchidee gewonnen wird. Vanille lässt sich sehr vielseitig in verschiedenen Speisen einsetzen. Doch sie ist nicht nur als Gewürz sehr beliebt.

Auch in der Heilmedizin wird ihr eine beruhigende Wirkung nachgesagt. Ihren Ursprung hat die Vanilleorchidee in Mittelamerika. Es gibt über hundert verschiedene Arten der Vanillepflanzen. Für die Gewinnung von Vanille wird allerdings am häufigsten die Gewürzvanille (Vanilla planifolia) eingesetzt.

Inzwischen sind diese Vanilleorchideen auch bei uns immer häufiger im Handel zu finden und ermöglichen es uns, in den eigenen vier Wänden Vanille anzubauen.

Was ist Echte Vanille und wie unterscheidet sie sich von synthetischem Vanilleextrakt?

Echte Vanille ist eine Gewürzpflanze, deren getrocknete und fermentierte Schoten als Gewürz verwendet werden. Sie stammt ursprünglich aus Mexiko und wird heute in vielen tropischen Ländern angebaut. Echte Vanille wird aus den Schoten der Vanilleorchidee gewonnen und ist daher ein natürliches Produkt.

Im Gegensatz dazu wird synthetischer Vanilleextrakt aus chemischen Verbindungen hergestellt, die den Geschmack und den Duft von Vanille imitieren. Synthetischer Vanilleextrakt ist in der Regel günstiger als echte Vanille und wird häufig in Lebensmitteln, Kosmetika und anderen Produkten verwendet. Allerdings hat synthetischer Vanilleextrakt im Vergleich zu echter Vanille weniger Aroma und ist weniger intensiv im Geschmack.

Welche Anforderungen stellt die Kultivierung von Vanille an den Standort und das Klima?

Die Kultivierung von Vanille stellt hohe Anforderungen an den Standort und das Klima. Vanille benötigt ein tropisches Klima mit hoher Luftfeuchtigkeit und viel Regen. Die Pflanzen wachsen am besten bei Temperaturen zwischen 20 und 30 Grad Celsius und benötigen viel Sonnenlicht.

Vanille wird am besten an Orten mit gut drainiertem Boden angebaut, da sie keine Staunässe verträgt. Der pH-Wert des Bodens sollte neutral oder leicht sauer sein. Vanille wird häufig an Rankhilfen oder Bäumen gepflanzt, damit sie genügend Halt und Unterstützung haben.

Um eine gute Ernte zu erzielen, ist es wichtig, dass der Standort für die Vanillepflanzen geeignet ist und das Klima den Anforderungen entspricht. Eine falsche Wahl des Standorts oder ein ungünstiges Klima kann dazu führen, dass die Pflanzen schlecht wachsen oder sogar absterben.

Pflege

Die Vanillepflanze mag es gerne warm und halbschattig. Am besten gedeiht sie bei einer hohen Luftfeuchtigkeit. Sie kann bei uns zwar im Zimmer gehalten werden. Aber im Winter ist es durch die trockene Heizungsluft gar nicht so einfach, ihren Ansprüchen gerecht zu werden. Um ihr dennoch eine einigermaßen hohe Luftfeuchtigkeit zu ermöglichen, ist es ratsam, sie regelmäßig mit abgekochtem Wasser oder besser noch mit Regenwasser zu besprühen.

Die optimale Überwinterungstemperatur liegt bei circa 15 Grad. Auch zum Gießen sollte nur entkalktes Wasser verwendet werden. Vor jeder neuen Wassergabe sollte darauf geachtet werden, dass die Erde abgetrocknet ist. Denn Staunässe mag die Vanillepflanze überhaupt nicht. Der Boden sollte locker und durchlässig sein. Da es sich um eine Orchideenart handelt, empfiehlt es sich Orchideensubstrat zu verwenden.

In den warmen Monaten (Frühling und Sommer) sollte sie regelmäßig mit Nähstoffen versorgt und darum zwei Mal im Monat mit einem speziellen Orchideendünger gedüngt werden. Da es sich bei der Vanilleorchidee um eine kletternde Pflanze handelt, kann sie mit einer Rankhilfe beim Klettern unterstützt werden.

Vermehrung

Gerade bei Pflanzen, die sich etwas schwerer überwintern lassen, ist es gut, wenn zur Sicherheit ein zweites Exemplar da ist. Ist bereits eine Vanilleorchidee vorhanden, kann sie wunderbar durch Stecklinge vermehrt werden. Da sie bis zu zehn Meter lang werden kann, ist es relativ unproblematisch, einen 30 bis 40 Zentimeter langen Kopftrieb der Pflanze abzuschneiden.

Die unteren Blätter des Triebes müssen nun entfernt werden. Anschließend kann der Trieb mit dem blattlosen Teil in Orchideenerde gesteckt und angegossen werden. Der Steckling sollte zudem eine Kletterhilfe bekommen. Um eine hohe Luftfeuchtigkeit zu erhalten und die Chancen der Wurzelbildung zu erhöhen, wird nun eine Plastiktüte über den Steckling gestülpt.

Dabei sollte die Tüte entweder mit kleinen Löchern ausgestattet sein oder die Tüte muss regelmäßig zum Lüften abgenommen werden, damit sich kein Schimmel bildet.

Bestäubung

Wer sich eine Vanilleorchidee anschafft, möchte natürlich über kurz oder lang auch die heiß begehrten Vanilleschoten ernten. Mit der Blütenbildung sollte erst ab dem dritten Jahr gerechnet werden. Damit aus den Blüten nun auch die Früchte entstehen, muss die Bestäubung jeder einzelnen Blüte per Hand stattfinden.

Dazu wird mit einem dünnen Stäbchen oder Ähnlichem das dünne Häutchen zwischen den männlichen Pollen und der weiblichen Blütennarbe durchstochen und anschließend beides aneinander gedrückt und somit befruchtet. Hat die Bestäubung geklappt, bilden sich die Kapselfrüchte nach frühestens einem halben Jahr. Die größten Erfolge werden bei der morgendlichen Bestäubung erreicht.

Ernte

Um nun die schwarzen Vanilleschoten mit dem typischen Aroma zu erhalten, reicht es nicht darauf zu warten, bis die Früchte an der Pflanze reifen. Die Schoten werden nämlich schon geerntet, bevor sie reif sind. Das heißt, sie sind bei der Ernte grün und haben noch nicht den bekannten Vanilleduft. Dieser entsteht erst durch das aufwendige Fermentieren. Sind die Schoten bereits gelb, ist der Erntezeitpunkt verpasst. Sobald sie gelb sind, platzen sie auf. Dann können sie nicht mehr fermentiert werden.

Fermentieren

Bevor die Vanilleschoten fermentiert werden, müssen sie kurz in heißes Wasser eingetaucht werden. Dabei werden die Schoten sozusagen abgetötet. Anschließend beginnt der Fermentierungsprozess. Das bedeutet, dass die Schoten mehrere Tage oder Wochen in einer feuchten und warmen Umgebung verbringen. Dazu können sie in feuchte Tücher gewickelt und in Heizungsnähe aufbewahrt werden.

Während dieser Phase werden die Vanilleschoten langsam braun. Danach müssen die Schoten trocknen. Die Trocknungsphase kann wieder mehrere Wochen oder gar Monate dauern. Beschleunigen lässt sich dieser Prozess, wenn sie im Backofen bei geringer Temperatur getrocknet werden. Damit die Vanilleschote nun ihr volles Aroma erhält, wird sie über mehrere Monate trocken gelagert.

Erst dann wird aus den Schoten das tolle Gewürz, so wie wir es kennen. Der Aufwand von der Pflege der Pflanze, über die Bestäubung, bis hin zur Fermentierung erklärt auch, warum die Vanilleschote ein so gefragtes Gewürz ist und warum sie zu den teuersten Gewürzen gehört.

Video: Echte Vanille selbst anbauen

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Ein Kommentar

  1. Rückschlüsse zur Preisgestaltung könnten auch anders gezogen werden.
    Wenn ich mir die Fermentierungs-Prozedur von Vanilleschoten vor Augen führe, wird nicht viel mehr Aufwand betrieben als bei Kimchi, schwarzem Tee, Tabak, Salzzitronen oder Sauerkraut.
    Plantagenmäßig abgearbeitet – wie in Dokumentationen zu sehen – rechtfertigt DIESER Nachbereitungsaufwand kaum exorbitante „Mehrkosten“.
    Die Preisexplosion dürfte m. E. eher der Verknappung des Endprodukts geschuldet sein.

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